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Rund 200.000 Menschen, die ihm vor der Siegessäule begeistert zujubeln, wohlwollende Worte beim Treffen mit der deutschen Kanzlerin und dem Außenminister – die Außenwirkung des Auftritts von Barack Obama in Berlin am Donnerstag war ein voller Erfolg. Nach Meinung von Experten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) gilt dies jedoch nicht unbedingt für die gesamte Rede des designierten demokratischen Präsidentschaftskandidaten. „Obama hat uns viele Worthülsen geliefert, in die wir alles mögliche hinein interpretieren können,“ sagte Josef Braml, wissenschaftlicher Mitarbeiter des DGAPProgramms „USA/Transatlantische Beziehungen“ am Freitag vor Journalisten. „Wenn er zum Beispiel von gemeinsamen Zielen und Europa als wichtigstem Partner der USA im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik spricht, klingt das erst mal gut. Aber vor allem deshalb, weil er nicht klar sagt, was er damit meint.“ Darüber hinaus habe Obama von „Opferbereitschaft“ und „langfristigem Engagement“ gesprochen. Nach Ansicht des DGAP-Experten bedeutet dies, dass Obama im Falle eines Wahlsiegs eine stärkere Beteiligung der Deutschen in Afghanistan oder anderen Konfliktregionen anmahnen wird – eine Forderung, welche die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ablehnt. Grund dafür sei, dass die USA derzeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten. DGAPExperte Braml geht deshalb davon aus, dass die Kosten für die Auslandseinsätze in Zukunft noch wesentlich stärker auf die Verbündeten abgewälzt werden. „Obama hat in seiner Rede den Marshall-Plan angesprochen, mit dem die USA Deutschland nach dem Krieg auf die Beine geholfen haben. Das bedeutet: Jetzt erwartet er, dass wir zusammen mit den Amerikanern auch anderen aus der Misere helfen.“ Obamas Berliner Rede sei jedoch „unterhalb der Forderungsschwelle“ geblieben, weil er nur Präsidentschaftskandidat sei. Jan Techau, Programmleiter des Alfred von Oppenheim-Zentrums für Europäische Zukunftsfragen der DGAP, rechnet damit, dass Obama seine Position deutlich formuliert, falls er zum Präsidenten gewählt wird. Nach Meinung von DGAP-Experte Techau ist eine stärkere Beteiligung an Auslandseinsätzen auch eine Chance für die Deutschen. „Wir könnten damit Einfluss auf die Operationsführung nehmen. Obama bietet Partnerschaft bei Lastenteilung.“ Denn egal, ob Obama oder McCain gewählt werden – schon aus Kostengründen sei damit zu rechnen, dass die USA in Zukunft nicht mehr allein die Rolle des Weltpolizisten spielen. „Die weltweite Polizeimannschaft wird sich um einige Akteure erhöhen,“ sagt DGAP-Forschungsdirektor Eberhard Sandschneider. „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Europa die einzige Option für Amerika bleibt.“
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