von Pascal Kauffmann
Veröffentlicht am 19. November 2007.
in: DGAPanalyse Frankreich 4/2007, 15 Seiten
Die französische Industriepolitik zeichnet sich seit jeher durch einen relativ hohen Grad an staatlichem Interventionismus aus. Vor diesem Hintergrund eines traditionell aktiven Staates kam es in den letzten Jahren im Bereich der Industriepolitik wiederholt zu Missverständnissen mit den deutschen Nachbarn (EADS, Siemens / Alstom, Sanofi-Aventis). Das erkennbare Bemühen der Regierung de Villepin um die Förderung »nationaler Champions« hat aber auch in anderen EU-Staaten ein allgemeines Unwohlsein hervorgerufen.
Die vorliegende Analyse zeigt, dass der diffuse »Wirtschaftspatriotismus« der französischen Regierung als eine rhetorische »Waffe« zu verstehen ist, die lediglich politischen, nicht aber wirtschaftlichen Zwecken dient. Jenseits der medienwirksamen Rhetorik hat die französische Industriepolitik seit Beginn dieses Jahrzehnts eine wirkliche Neuerung erfahren. Sie hat der traditionellen Kombination aus öffentlicher Forschung, öffentlichen Unternehmen und öffentlichen Aufträgen entschieden den Rücken gekehrt und mit den so genannten »Wettbewerbspolen« (»pôles de compétivité«), der Agentur für industrielle Innovation (AII) und der Nationalen Forschungsagentur (ANR) eine andere Richtung eingeschlagen. Die neue französische Industriepolitik setzt die Lissabon-Strategie sinnvoll um, was die europäischen Partner Frankreichs beruhigen sollte.
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