Auf dem EU-Russland Forum kritisierte die russische Seite die beiden
Papiere des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission. Sergej
Karaganow, Vorsitzender des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik,
sagte, die Sprache des Testes erinnere ihn an die Zeiten des Kalten
Krieges. Der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des
Föderationsrates, Michail Margelow, sah in der europäischen Politik
geostrategische Ambitionen aufkommen. Der Vorsitzende des Auswärtigen
Ausschusses der Duma, Konstantin Kosachew, rügte den Westen für dessen
Informationsmangel bezüglich der Entwicklung in Russland. Der Erster
Stellvertretender Chef des Generalstabes der Russischen Streitkräfte,
Jurij Baluewskij, offerierte der EU die Möglichkeit einer
Zusammenarbeit, allerdings nur auf der Grundlage, dass die EU den
Großmachtstatus Russlands uneingeschränkt akzeptiere. Der stellv.
russische Außenminister, Wladimir Tschischow, wiederholte die
Streitpunkte zwischen der EU und Russland in Bezug auf die Ausdehnung
des Partnerschafts- und Kooperationsabkommens auf die neuen
EU-Mitgliedstaaten.
Westliche Vertreter versuchten, den
Gesprächsfaden mit Russland nicht abreißen zu lassen. Der
außenpolitischer Sprecher der CDU, Friedbert Pflüger, kritisierte zwar
demokratische Defizite in Russland, unterstrich jedoch die Bedeutung
der Wirtschaftserfolge für die Stabilität Russlands. Auch der
Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, sah grosse
Perspektiven in der europäisch-russischen Zusammenarbeit. Die
Abgeordneten des Europäischen Parlaments Armin Laschet und Elmar Brok
riefen die Russen dazu auf, Ihre defensive Haltung aufzugeben und
konkrete Vorschläge zur Ausweitung des Dialogs zwischen Russland und
der EU zu machen.
Auch andere westliche Forumsteilnehmer aus dem
Bundeskanzleramt, Auswärtigen Amt und Bundestag diskutierten freimütig
über künftige Kooperationsperspektiven, sei es im Rahmen der NATO, OSZE
oder ESVP. Die westlichen Teilnehmer unternahmen den Versuch, Russland
zu vermitteln, dass die europäische Kritik an den heutigen Zuständen in
Russland keinesfalls als „Kriegserklärung“ an Russland zu verstehen
sei, sondern der Suche nach gemeinsamen Werten gelte. Ein französischer
Teilnehmer brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Putin in seiner
zweiten Amtszeit seine europäische Orientierung beibehalten werde. Die
Diskussion über eine NATO- und EU-Mitgliedschaft Russlands zum Beginn
der ersten Amtszeit Putins habe niemandem geschadet. Ein britischer
Teilnehmer sagte, in Zeiten der Globalisierung dürften die Staaten sich
stärker in die gegenseitigen Angelegenheiten einmischen, wenn es um die
grobe Menschenrechtsverletzung ginge. Des weiteren sei er der Meinung,
dass Russland genauso mit den tschetschenischen Rebellen verhandeln
müsse, wie Briten es mit nordirischen Terroristen seinerzeit taten.
Die
Veranstaltung endete mit einer Vorstellung der Ergebnisse vor einem
breiten Berliner Publikum in einem Podiumsgespräch, an dem Michail
Margelow, Konstantin Kosachew, Wladimir Ryschkow und Wladimir
Tschischow teilnahmen. Das nächste EU-Russland Forum soll in Brüssel
stattfinden.
Zusammenfassung von Alexander Rahr