Am 17. April 2008 fand in der DGAP die Konferenz „Der Wiederaufbau in Tschetschenien“ statt. Diese bot den Gästen der DGAP einen interessanten Einblick in die Lage der tschetschenischen Republik.
Prof. Magomed Dagirov berichtete, dass sich die Lage während der Regentschaft Putins wesentlich verbessert habe. Die Kriegshandlungen sind beendet und der Wiederaufbau des Landes nimmt in allen Bereichen zusehends Gestalt an. Sowohl die russische als auch die tschetschenische Regierung ist darum bemüht, dem zerrütteten Land wieder Stabilität zu verleihen. Um dies zu ermöglichen, übertrug die russische Zentralregierung in Moskau der Tschetschenischen Republik verschiedene politische Befugnisse und hilft bei Projekten zum Wiederaufbau, wie beispielsweise der Renovierung des Flughafens in Grozny.
Die separatistischen Bewegungen in Tschetschenien werden laut Professor Dagirov nicht mehr von der Bevölkerung unterstützt, was das Referendum, das vor kurzem durchgeführt wurde, bestätigen würde. Die Bevölkerung wünsche sich ein sicheres Leben in einem stabilen Land was nur mit Russland möglich sei. Aus diesem Grund identifiziere sich Tschetschenien heute als untrennbarer Teil Russlands.
Die Wirtschaft Tschetscheniens erholte sich in den letzten Jahren langsam wieder. Ein Indikator hierfür ist die rückläufige Arbeitslosigkeit im Land. Vor wenigen Jahren herrschte noch eine Arbeitslosigkeit von nahezu 85%. Heute ist es noch die Hälfte, die keinen Arbeitsplatz besitzt. Die Höhe der ausländischen Direktinvestitionen wachsen stetig an, weshalb ein Wachstum der Wirtschaft weiterhin erwartet wird. Problematisch hierbei sind jedoch die immer noch andauernden Verstöße gegen die Gesetze und die enorme Korruption, die bisher durch die Regierung nicht eingeschränkt werden konnte.
Mit besonders großem Bedauern wurde jedoch festgestellt, dass es bis heute Journalisten nicht ermöglicht wird, Tschetschenien uneingeschränkt zu bereisen. Trotz des Durchlaufens eines komplizierten und zeitraubenden Akkreditierungsverfahrens ist es Journalisten nicht erlaubt, eigenständig das Land zu besuchen, um sich so ein Bild über das Leben der Menschen zu machen. Dies wäre jedoch sehr wichtig, um den Dialog mit dem Westen zu eröffnen und eine erneute Radikalisierung und eine Eskalation der immer noch labilen Lage zu verhindern.