Wasser und Energie - Konfliktpotentiale in Zentralasien

Montag 28. Januar 12:00 - 14:00
Ort: DGAP, Berlin

Auf einer gelungenen Auftaktveranstaltung im Rahmen einer Kooperation zwischen der DGAP und dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft sprach am 28. Januar 2008 der deutsche Botschafter in Kirgisien Prof. Dr. Dr. Klaus W. Grewlich über die Rolle von Wasser und Energie im südöstlichen Zentralasien. Auch wenn mit der Zentralasieninitiative der Europäischen Union die Region stärker in den Fokus europäischer Politik und Wirtschaft gerückt ist, gibt es noch zu wenig Informationen zur aktuellen politischen Situation und den wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten in der Region.

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Dabei verbindet das südöstliche Zentralasien Staaten wie China, Russland und Iran und hier liegen die Konfliktherde Afghanistan und Pakistan sowie wichtige ressourcenreiche Staaten wie Kasachstan und Turkmenistan. China und Russland sind bereits seit Jahren insbesondere über die im Westen noch zu wenig wahrgenommene Schanghai Organisation für Zusammenarbeit aktiv in der Region vernetzt.

Wie Prof. Grewlich zum Auftakt seines Vortrags betonte, sind Fragen von Wasser und Energie im südlichen Zentralasien nicht von Sicherheitsfragen zu trennen. Wasser als die zentrale Ressource in der Region bildet den Ausgangspunkt für Konflikte. Insbesondere die geopolitischen Veränderungen nach dem Ende der Sowjetunion haben neue Grenzen geschaffen und es ist eher überraschend, dass Konflikte in der Region bisher relativ friedlich ausgetragen wurden.

Der Referent wies darauf hin, dass die Rolle der Schanghai Organisation für Zusammenarbeit (SchOZ), mit ihren Mitgliedsstaaten China, Russland, Usbekistan, Kasachstan, Krigisien und Tadschikistan, im Westen noch immer unterschätzt wird. Parallel zu ihrem letzten Gipfel im August 2007 in Bischkek führten die Armeen der Mitgliedstaaten ein großes Manöver im russischen Tscheljabinsk durch. An diesem Beispiel wird für Prof. Grewlich deutlich, dass unbemerkt von westlicher Aufmerksamkeit ein gewisser Grad an Integration zwischen den Staaten der SchOZ entstanden ist. Die SchOZ ist gegen eine amerikanische Hegemonie in der Region gegründet worden und soll alternativ zu Organisationen wie der OSZE Kooperation ohne die Einmischung in innere Angelegenheiten ermöglichen. Wirtschaftliche Zusammenarbeit spielt eine zentrale Rolle für ihre Mitgliedsstaaten: So kam nach dem Bischkeker Treffen im letzten Jahr ein Vertrag über den Bau einer Gaspipline von Turkmenistan nach China mit einem Volumen von 30 Milliarden Kubikmeter zustande.

Tadschikistan und Kirgisien sind die beiden Länder, die die Region mit Wasser beliefern. Die Verteilung der Ressource erfolgt nach dem Prinzip 20% für die beiden Lieferstaaten und 80% für Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan. Als Teilstaaten der Sowjetunion waren sie in Großprojekte in der Region eingebunden, mit zum Teil katastrophalen ökologischen Folgen. So wurde das Wasser aus diesen Staaten zur Bewässerung von Baumwollfeldern in Usbekistan umgeleitet, was zur Austrocknung des Aralsees führte und den Menschen in der Region die Lebensgrundlage nahm. Nach der massiven Verschwendung von Wasser in der Sowjetunion verrottete nach 1990 das traditionelle Bewässerungssystem.

Ein weiteres sowjetisches Großprojekt, der kirgisische Toktogul-Staudamm diente ursprünglich der Regulierung der Bewässerung der usbekischen Baumwollfelder. Für das an Erdgas und -öl arme Kirgisien stellt dieser Staudamm mit einer Erzeugungsleistung von bis zu 2500 Megawatt eine wichtige Energiequelle dar. Das führt dazu, dass es in den Ländern die mit Wasser versorgt werden, zu Wellen von Trockenheit und Überschwemmungen kommen kann. Gleichzeitig zeigt China großes Interesse an kirgisischem Wasser, dessen Verbrauch im Moment nur 10% seiner Quellen ausmacht. An diesen Beispielen verdeutlichte Prof. Grewlich das Konfliktpotential, was durch die historischen Erbschaften und die ungleiche Verteilung der Ressource Wasser in der Region verursacht wird.

Hier setzt ein Projekt der Weltbank an, welches Investitionen in die Nutzung der Wasserressourcen Kirgisiens und Tadschikistans einerseits zur Energiegewinnung und andererseits als Rohstoff sichern will. Prof. Grewlich sieht hier auch für die deutsche Industrie gute Chancen für zukünftige Aufträge, die zum Bau vernetzter kleinerer und größerer Kraftwerke führen könnten. Gerade der Bedarf an integrierte Logistik in dieser schwierigen Region könnte deutschen und europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber chinesischen oder russischen Firmen bieten. Zur Gewinnung von Know-how gibt es von der kirgisischen Regierung den Vorschlag, eine Wasserakademie zu gründen und eine Reihe von Konferenzen zum Thema Wasser abzuhalten, welche unter der Beteiligung der EU und der Schanghai Organisation für Zusammenarbeit stattfinden könnten.

In der anschließenden Diskussion bedankte sich Dr. Martin Hoffmann vom Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft für den Vortrag, der den Fokus auf die Region lenke und hier auch Anknüpfungspunkte für wirtschaftliche Kooperation biete. Er äußerte vor allem Bedenken in Bezug auf die Sicherheit von Investitionen in der Region. Ein Vertreter von German Water wies darauf hin, dass die EU verstärkt die Wasserversorgung auf ihre Agenda setzte, jedoch Ausschreibungen für Investitionen durch die Weltbank in der Region kaum von mittelständischen Unternehmen erfüllt werden könnten. Hier bedarf es einer stärkeren Beteiligung der EU und europäischer Firmen an der Ausarbeitung von Strategien für die Region.