Unter der Leitung von Natalia Tscherkessowa, Direktorin der russischen Nachrichtenagentur »Rosbalt«, und Alexander Rahr, Programmdirektor Russland/Eurasien der DGAP, trafen 13 russische und 12 deutsche Nachwuchsexperten in der westrussischen Stadt Pskow zu Gesprächen im Rahmen der Zukunftswerkstatt des Petersburger Dialogs zusammen. Zwischen dem 1. Und 3. Oktober beschäftigten sich die jungen Experten mit der Frage, inwiefern das gemeinsame historische Erbe von Russland und den EU-Staaten eine Quelle für Probleme ist, oder nicht vielmehr eine Zukunftschance darstellt.
Vertreter der russischen Seite plädierten für Letzteres und traten nachdrücklich dafür ein, ihr Land als integralen Bestandteil Europas anzusehen. Sie bemängelten eine ihres Erachtens unangemessene Instrumentalisierung der EU durch mittelosteuropäische Staaten und einen allzu großen Zweispalt zwischen hehren Worten des Westens und seinem machtpolitischen Vorgehen.
Die Zugehörigkeit Russlands zu Europa wurde von den deutschen Teilnehmern nicht in Frage gestellt, und einige zeigten ausdrückliches Verständnis für die Haltung Russlands in verschiedenen Fragen. Andere deutsche Diskutanten machten nachdrücklich darauf aufmerksam, dass Russland beträchtliche Mängel in der Aufarbeitung der dunklen Seiten der eigenen Geschichte aufweise. Dies beeinträchtige die Aussichten für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf dem europäischen Kontinent. Die deutschen Teilnehmer neigten eher dazu, das gemeinsame historische Erbe insbesondere als Problemquell zu sehen.
Es schien zunächst auch in Pskow schwierig zu sein, bei Fragen der Vergangenheit oder der Menschenrechte, dem zweiten Schwerpunkt der Diskussionen, zu einer gemeinsamen Sprache zu finden. Die Teilnehmer erzielten jedoch Einigkeit darin, dass zwischen »Werten« sowie ihren konkreten »Ausdrucksformen« unterschieden werden müsse. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität seien sowohl in Russland wie auch in Deutschland als Grundlage von Staat und Gesellschaft unbestritten. Unterschiede gebe es jedoch darin, wie diese in der Realität umgesetzt werden sollten. Der Austausch hatte dazu geführt, dass die Diskussion über die Werte an Schärfe verloren hatte, ohne die bestehenden Unterschiede zwischen Deutschland und Russland klein zu reden.

Boris Meschujew von der russischen und Ingo Mannteufel von der deutschen Seite hatten bereits im Vorfeld als Arbeitsgrundlage Positionspapiere zur Wertediskussion in den deutsch-russischen Beziehungen vorgelegt. Diese, sowie die Diskussionen in Pskow wurden zu einer Grundlage einer »Gemeinsamen Plattform für den Dialog über Werte und politische Kultur«, der auf dem Petersburger Dialog in Wiesbaden (16.-18. Oktober 2007) vorgestellt wird.