Sommerschule 2006

Vom 9. bis zum 22. Juli 2006 fand in Berlin die inzwischen 10. Internationale Sommerschule der DGAP statt, dieses Jahr erstmalig organisiert durch das International Forum on Strategic Thinking. Unter dem Titel „Global Challenges, Global Actors – Sharing Responsibility for a Secure World in the 21st Century” diskutierten 25 Teilnehmer aus 23 Nationen mit führenden Experten aus Forschungsinstituten, Universitäten, Ministerien, den Medien sowie internationalen Organisationen ausgewählte sicherheits­politische Fragestellungen („Global Challenges“). Neue Ansätze zu Konfliktprävention und Krisenmanagement, die Transformation des Sicherheitssektors, unterschiedliche Strategien der Terrorismusbekämpfung, State Failure und Demokratisierung, aber auch „weiche“ Herausforderungen wie demographische Veränderungsprozesse, Migration und Energiesicherheit standen auf dem Programm. Desweiteren untersuchten die Teilnehmer die Rolle der „Global Actors“ USA, China, Russland, Indien und der EU bei der Bewältigung dieser Herausforderungen. Die Vielfalt in Herkunft und kulturellem Hintergrund und die damit verbundenen unterschiedlichen Perspektiven und Überzeugungen der Sommerschüler machten die Diskussionen über diese globalen Herausforderungen besonders interessant.

In kleinen, regionalen Arbeitsgruppen wurden die jeweiligen Expertenvorträge sodann von den Teilnehmern kritisch analysiert, auf spezifische Implikationen für Europa, Asien und Nahost hin untersucht sowie Stellungnahmen, Diskussionspunkte und Fragen an die Referenten vorbereitet. Dabei schauten die Referenten den einzelnen Working Groups über die Schulter, beantworteten Verständnisfragen und halfen ihnen bei ihrer Argumentation und Analyse. In Kaffeepausen, bei gemeinsamen Mittag- und Abendessen sowie während der Freizeitaktivitäten standen sie den Sommerschülern zudem bei Fragen zu Doktorarbeitsthemen sowie zu Karriere und Jobwahl mit ihrer Expertise und ihrem Erfahrungsschatz beratend zur Seite.

Dieser Meinungs- und Erfahrungsaustausch wurde oft lebhaft und bis spät in die Nacht hinein bei langen Diskussionen im Garten der DGAP fortgeführt. Auch die gemeinsamen Freizeitaktivitäten boten viel Raum, Freundschaften zu vertiefen und sich gegenseitig auszutauschen, so zum Beispiel über Länder, Bräuche, Perspektiven und Überzeugungen, von denen man vorher nur wenig wusste. Dabei wurde mit eventuell bestehenden Vorurteilen gründlich aufgeräumt. Aus aktuellem Anlass wurden insbesondere der Nahe Osten und die Geschehnisse in Israel und im Libanon besonders intensiv und emotional diskutiert. Spontan gelang es, Dr. Carsten Wieland, Nahostexperte und Research Fellow an der Georgetown University, für ein gemeinsames Abendessen zu gewinnen, bei dem er die Entwicklungen in der Region erläuterte und den Teilnehmern in einer angeregten Diskussion Rede und Antwort stand.

Das Programm wurde durch Führungen und Expertenvorträge im Deutschen Bundestag, dem Bundeskanzleramt, dem Axel-Springer-Verlag und dem Bundesverteidigungsministerium ergänzt. Die Teilnehmer bekamen so einen guten Eindruck von der Bundeshauptstadt Berlin, der Arbeitsweise relevanter Institutionen sowie über zentrale Positionen der Bundesrepublik Deutschland. Dr. Christoph Heusgen erläuterte im Bundeskanzleramt Prioritäten, Konstanten, aber auch neue Aspekte deutscher Außenpolitik. Im BMVg hatten die Sommerschüler Gelegenheit, sich in Vorträgen und bei einem anschließenden Lunch im Gästekasino über Auslandseinsätze und die Transformation der Bundeswehr zu informieren. Neben solch offiziellen Besuchen bot eine mehrstündige politisch-kulturelle Schnitzeljagd, in der die Teilnehmer unterschiedliche Aufgaben bewältigen mussten, den Teilnehmern die Gelegenheit zur spielerischen Erkundung Berlins.

Am letzten Tag der Sommerschule präsentierten die Teilnehmer die abschließenden Policy Papers ihrer regionalen Arbeitsgruppen, mit konkreten Politikempfehlungen zu sicherheitspolitisch prioritären Herausforderungen für Europa, Asien und den Nahen Osten. So schlug die Asien-Gruppe Schritte zur Verbesserung der regionalen Kooperation und Entwicklung vor, die Nahost-Gruppe forderte eine Stärkung zivilgesellschaftlicher Akteure zur Stabilisierung der Region sowie den Abbau von Vorurteilen gegenüber dem Islam. In der Arbeitsgruppe Europa wurde vor allem Europas mangelnder Einfluss auf der Weltbühne kritisiert. Europa sei zwar ein „global actor“, aber kein „global player“. Die Gruppe forderte daher die Einrichtung eines Europäischen Sicherheitsrates und die Erarbeitung einer „European Grand Strategy“.

 

 

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