Thematische Ausrichtung

Angesiedelt beim Programm Mitteleuropa der DGAP, betreut das Promotionskolleg ausschließlich Promotionen mit einem Mittel- und Osteuropa Bezug.

Der Inhalt der Promotion muss sich auf das Rahmenthema des Kollegs „Mittel- und Osteuropa auf dem Weg ins 21. Jahrhundert: Werte, Normen und Identität im Wandel“ beziehen. Neben der Qualität der Bewerbung ist es entscheidend, dass das Thema ausreichend Anknüpfungspunkte für die fachübergreifende Diskussion im Kreis der Lektoren des Promotionskollegs bietet. Das Rahmenthema ist mehrdimensional angelegt und kann in vielfältiger Weise von den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen interpretiert werden.

Das Kolleg möchte einen Beitrag zum besseren Verständnis von Politik, Gesellschaft, Kultur und Identität der Transformationsstaaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa leisten und vor diesem Hintergrund gegenwärtige Entwicklungen auf lokaler, regionaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene sowie Phänomene in den bilateralen und multilateralen Beziehungen erklären helfen. Damit soll auch zum besseren gegenseitigen Verständnis zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn beigetragen werden.

Der Prozess der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation in

Mittel-, Ost- und Südosteuropa seit dem Zusammenbruch des Sozialismus ist in der Mehrzahl der betroffenen Staaten geprägt von einem umfassenden, von West nach Ost verlaufenden, Werte- und Normentransfer von historischem Ausmaß. Einer der größten Katalysatoren dieses Transfers ist die Annäherung an die bzw. der Beitritt zu den euro-atlantischen Stukturen.

Die „Rückkehr nach Europa“ war und ist gesellschaftlich wie politisch das erklärte Ziel der meisten Transformationsstaaten, obwohl der mit ihr einhergehende Werte- und Normentransfer zum Teil zu heftigen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen und Reaktionen führt. Art und Umfang der Reaktion sind geprägt durch geschichtliche, kulturelle, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Voraussetzungen in den Transformationsstaaten.

Gleichzeitig besteht vor dem Hintergrund der Integration der Transformationsstaaten in gesamteuropäische Strukturen die Möglichkeit, dass die Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas sich ihrerseits verstärkt mit eigenen Werte- und Normenvorstellungen einbringen bzw. diese behaupten, so dass der ursprünglich von West nach Ost stattfindende Prozess nun auch in die Gegenrichtung verlaufen und es zu einer wechselseitigen Beeinflussung kommen kann.

Mögliche Fragestellungen im Rahmen des Kollegs sind:

Welche Werte und Normen, Traditions-, Geschichts-, Kultur- und Identitätslinien prägen die gegenwärtige und zukünftige Politik und Gesellschaft in den Transformationsstaaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas? In welchem Umfang, wie und in welche Richtung findet ein Werte- und Normentransfer statt? Wie reagieren die Transformationsstaaten auf europäische und globale Anforderungen und Herausforderungen? Wie bringen sich die Transformationsstaaten ein in bi- und multilateralen Beziehungen, auf europäischer Ebene und international? Wie wollen sie regionale, europäische und internationale Politik gestalten? Welche Strategien für ihre eigene Entwicklung und für Europa als ganzes verfolgen sie? etc.