CV und Abstract des Dissertationsvorhabens, Tim Peters

Tim Peters, M.A., geb. 1976, studierte Politische Wissenschaft, Mittelalterliche und Neuere Geschichte sowie Staatsrecht an den Universitäten Bonn und Köln. Nach dem Abschluss 2002 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl) in Bonn. Von 2003 bis 2005 lehrte er als Fachlektor der Robert Bosch Stiftung Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Staatlichen Universität Kazan’ in der Republik Tatarstan (Russische Föderation). 2004 nahm er im Auftrag einer NGO als internationaler Wahlbeobachter an der russischen Präsidentschaftswahl in Tatarstan teil. Nach seiner Rückkehr übernahm er 2005 die Leitung des Editionsprojekts ‘Die GRÜNEN im Deutschen Bundestag 1983–1987’ bei der KGParl in Berlin. Zur Zeit arbeitet er an einer Dissertation zum Thema 'Die 'dritte Ebene' des russischen Föderalismus am Beispiel der Republik Tatarstan an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und unterrichtet am Freien Russisch-Deutschen Institut für Publizistik der Lomonossov-Universität in Moskau. Sein besonderes Interesse gilt der Parteien- und Transformationsforschung, dem politischen System Russlands, Fragen des russischen Föderalismus sowie der Luft- und Raumfahrtpolitik.

Abstract des Dissertationsvorhabens

Die „dritte Ebene“ des russischen Föderalismus am Beispiel der Republik Tatarstan

Eine funktionierende föderale Ordnung, welche von zentralen und regionalen Akteuren akzeptiert wird, ist eine wesentliche Voraussetzung für den Fortbestand der multinationalen Russischen Föderation als einheitlicher Staat. Ausgehend von dieser Annahme beschäftigt sich das Forschungsvorhaben mit einem bislang kaum beachteten Teilaspekt des russischen Föderalismus: den Beziehungen der Föderationssubjekte untereinander. Diese interregionalen Kontakte bilden neben der Ebene des Zentrums und der Ebene der Regionen die „dritte Ebene“ in föderal verfaßten Staaten. Nach einer föderalismustheoretischen Einordnung und einem Überblick über die Entwicklung des post-sowjetischen Föderalismus in Russland wird diese „dritte Ebene“ am Beispiel der Republik Tatarstan in den Fokus genommen. Aufgrund ihrer relativen Autonomie und ihres Ethnonationalismus ist die mehrheitlich muslimische Teilrepublik besonders für eine Regionalstudie geeignet, die der zentralen Frage nachgeht, ob und in welchem Maße interregionale Kontakte im russischen Föderalismus eine Rolle spielen. Dabei zeigt sich, daß Tatarstan seit Beginn der neunziger Jahre bi- und multilaterale Abkommen mit anderen Föderationssubjekten geschlossen hat und es regelmäßige Kontakte auf exekutiver, legislativer und administrativer Ebene gibt. Ein Vergleich dieses Interregionalismus während der Ära von Präsident Jelzin und der seines Nachfolgers läßt zudem den Schluß zu, das die „dritte Ebene“ vergleichsweise wenig von den föderalen Reformmaßnahmen Putins betroffen ist, da diese vornehmlich auf die Schaffung einer starken Machtvertikale abzielten. Vielmehr wurden durch die vom Kreml initiierte Einrichtung neuer Institutionen (wie etwa der Föderalbezirke) neue Plattformen für den interregionalen Austausch auf formeller und informeller Ebene geschaffen. Die verschiedenen Formen horizontaler Kooperation werden von der Republik Tatarstan schließlich auch dazu genutzt, um gemeinsam mit anderen Regionen Handlungsstrategien gegenüber dem Zentrum zu entwickeln, um so den regionalen Interessen in Moskau größeres Gehör zu verschaffen. Entgegen der häufig anzutreffenden Ansicht, der russische Föderalismus sei durch die Rezentralisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre zu einem reinen „Scheinföderalismus“ herabgesunken, gibt die horizontale Politikverflechtung in Russland mittelfristig sogar Anlaß zu der Hoffnung auf einen sich entwickelnden kooperativen Föderalismus von unten.