Lili Di Puppo, Dipl.-Pol, 29 Jahre alt, hat am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft studiert und ihr Studium 2004 abgeschlossen. Danach war sie Praktikantin in der Einheit Südkaukasus und Zentralasien, Generaldirektion Außenbeziehungen der Europäischen Kommission. Sie ist Europäische Union Redakteurin in der Online-Zeitschrift Caucaz.com. Im Rahmen des Promotionskollegs wird sie an der Ilya Chavchavadze Staatlichen Universität in Tiflis / Tbilisi, Georgien, unterrichten. Ihre Forschungsinteressen gelten dem Transformationsprozess in post-sowjetischen Ländern, schwacher Staatlichkeit, Korruptionsforschung sowie der EU-Außenpolitik, insbesondere in der Schwarzmeerregion.
Mit dem gleichzeitigen Start der Europäischen Nachbarschaftspolitik und des Millenium Challenge Account scheint das post-revolutionäre Georgien ein geeigneter „Testfall“ für die neuen amerikanischen und europäischen Experimente im Bereich der Förderung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie zu sein. Der Korruptionsbekämpfung wird ein zentraler Platz in diesen Strategien zugewiesen – beide Hilfsprogramme haben sich zum Ziel gesetzt, gute Regierungsführung und die Qualität der Regierungsinstitutionen zu belohnen.
Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, einerseits das Verständnis für die Art und Weise zu erhöhen, wie externe Akteure die Korruptionsbekämpfung unterstützen oder behindern können, und andererseits zu prüfen, wie und ob überhaupt der stärkere Akzent auf Korruptionsbekämpfung und die Förderung von Rechtsstaatlichkeit in den EU- and US-Programmen im Südkaukasus in der Praxis der Hilfsagenturen vor Ort erkennbar ist. Insbesondere untersucht das Projekt, inwieweit Sicherheitsbedenken oder anderen kommerziellen Interessen der Vorzug vor der Demokratisierungsagenda im Südkaukasus eingeräumt wird, und wenn ja, wie sich dies in der Projektgestaltung widerspiegelt.
Als Ausgangspunkt des Forschungsprojektes dienen zwei Beobachtungen, die sich auf die mögliche Diskrepanz zwischen diskursiven Zielen und der Praxis beziehen.
Erstens: Welche Faktoren können die Kluft zwischen Rhetorik und Realität in der jüngeren Geschichte der Entwicklungshilfeprogramme in Georgien erklären? Während der Ära Schewardnadse war Georgien nach Pro-Kopf-Zahl der zweitgrößte Entwicklungshilfeempfänger weltweit. Nichtsdestotrotz hat Georgien kaum Fortschritte in der Entwicklung demokratischer Institutionen und der Verbesserung sozio-ökonomischer Standards erzielt. Statt die Qualität der Regierungsinstitutionen zu fördern, scheint die Entwicklungshilfe die Formierung eines korrupten Regimes eingeleitet und erhalten zu haben.
Zweitens: Wie dienen die Förderung der Rechtsstaatlichkeit und der Kampf gegen Korruption den europäischen und amerikanischen Interessen, und vor allem: wie fügen sich diese Ziele in ihre Sicherheitsstrategien? Wegen seiner strategischen Bedeutung hinsichtlich der Energiesicherheit als Brücke zwischen dem ressourcenreichen Zentralasien und Europa scheint der Kaukasus vor allem aus einer Sicherheitsperspektive relevant zu sein.