Anja Hennig, 1975 in Berlin geboren, hat an der Universität Potsdam, der Universität Wrocław und der FU Berlin Politikwissenschaft studiert und Ende 2002 ihr Studium als Diplompolitologin abgeschlossen. Von 2003 bis 2006 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Internationale Politik der TU Dresden im Bereich der internetgestützten Lehre (e-learning). Die letzten zwei Jahre entwickelte und leitete sie dort ein polnisch-tschechisch-deutsches online basiertes Seminarprojekt zur vergleichenden Außenpolitikanalyse. Seit 2006 promoviert sie an der Europa-Universität Viadrina zu aktuellen Wertekonflikten in Polen und Italien. Übergeordnete Forschungsinteressen sind hierbei das Verhältnis von Religion, Demokratie und kultureller Pluralisierung, Säkularisierungsprozesse sowie Gender-Fragen in vergleichender Perspektive.
Genderbezogene Wertekonflikte in Katholischen Gesellschaften – Polen und Italien im Vergleich
Viele europäische Gesellschaften sehen sich mit der Kontinuität von Säkularisierungsprozessen konfrontiert, während zugleich die Öffentlichkeit von religiös bezogenen Fragen zunimmt. Eine spezifische Rolle spielen dabei die traditionellen Kirchen. Trotz Mitgliederschwund vertreten sie verstärkt ihre Interessen in der politischen Öffentlichkeit. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn es um politische Entscheidungen in genderbezogenen Kontroversen wie etwa um die Gleichberechtigung Homosexueller oder die Liberalisierung von Abtreibung bzw. generell reproduktiver Rechte geht. Insbesondere der erste Fall hat sowohl in Polen als auch in Italien zu heftigen Auseinandersetzungen geführt.
Diese Wertekonflikte geben Anlass zu fragen, inwieweit der Erfolg von Akteuren, die sich in Polen und Italien für eine liberalere Politik in den genannten Konfliktfeldern einsetzen, durch Vertreter der Kirchenhierarchie oder anderer katholischer Organisationen, durch bestimmte Muster im Verhältnis von Kirche und Staat oder vielmehr durch politische Strategien begrenzt oder gefördert wird.
Das Ziel der Dissertation ist, den Einfluss solcher Faktoren während der Konfliktverläufe um das Partnerschaftsgesetz für Homosexuelle und um die Liberalisierung reproduktiver Rechte in Polen und Italien zu analysieren. Theoretisch orientiert sich die Arbeit an Schnittpunkten zwischen neueren theoretischen Beiträgen zur Säkularisierungstheorie und zum Wertewandel sowie an Konzepten zur „neuen“ Öffentlichkeit von Religion.
Konferenzbeiträge