Im Jahr 2007 wurde an der DGAP das „Zentrum für Mittel- und Osteuropa der Robert Bosch Stiftung“ gegründet. Im Sinne des Stifterauftrags der Völkerverständigung veranstaltet das Zentrum Diskussionen, Seminare und Projekte zu aktuellen politischen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa. Mehrere Programme der Robert Bosch Stiftung zur Förderung und Vernetzung zukünftiger Entscheidungsträger und Nachwuchswissenschaftler aus Mitteleuropa, Osteuropa und Deutschland werden durch das Zentrum betreut.
Mit der „Wiedervereinigung Europas“ eröffneten sich neue Perspektiven der Zusammenarbeit mit den Ländern Mittel- und Osteuropas. Die Annäherung der Werteidentitäten und die politische Harmonisierung bedeuten weiterhin eine Herausforderung für die Schaffung eines integrierten Europas. Unterschiedliche historische Erfahrungen und Europabilder müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Hierfür gilt es, Räume für den Meinungsaustausch zu schaffen. Der „Osterweiterung des europäischen Denkens“ soll neue Dynamik verliehen und auf die kulturelle, geschichtliche und politische Relevanz dieser Region für die künftige Entwicklung und Ausgestaltung der Europäischen Union hingewiesen werden.
Das „Zentrum für Mittel- und Osteuropa der Robert Bosch Stiftung“ generiert als „Denkfabrik“ und inhaltlicher Impulsgeber neue Ideen und neue Konzepte und verfügt über das institutionelle Know-how zur Umsetzung innovativer Projektmodelle. Für Politik und Medien bieten die am Zentrum tätigen Wissenschaftler Informationsgespräche und Hintergrundanalysen.
„Neue Polarisierung? – Europa zwischen Überlegenheitsgefühl im Westen und wiedererwachtem Selbstbewusstsein im Osten“
Nach Jahren der scheinbaren Konvergenz zwischen West und Ost zeichnen sich zunehmend Interessensgegensätze und Reibungsflächen zwischen der westlichen Staatengemeinschaft, insbesondere den USA, und Russland ab. Auch der vermeintlich gemeinsam geführte „Kampf gegen den Terrorismus“ fächert sich zunehmend in unterschiedliche Interpretationen und Politikansätze auf. Insbesondere in Europa finden sich Kristallisationspunkte einer neuen Polarisierung: Statusfrage des Kosovo, Stationierung eines Raketenschutzschildes in Mitteleuropa, Energieträger als machtpolitisches Druckmittel, Importverbote für Waren aus EU-Staaten nach Russland, Interpretation historischer Ereignisse. Es lassen sich viele weitere Beispiele finden, die eine neue Konkurrenz und Divergenz zwischen West und Ost deutlich machen. Sicher ist diese Polarisierung in einen weltweiten Kontext, d.h. in eine Neuordnung der globalen Akteure eingebunden; insbesondere aufstrebende Staaten in Asien sind hier zu berücksichtigen. In diesem Kontext fokussiert das Zentrum für Mittel- und Osteuropa seine Arbeit auf die offensichtlich wieder an Spannung gewinnende Reibungsfläche zwischen West und Ost in Europa. Die Schnittstellen regionaler Konflikte und dahinter stehender Interessenspolarisierungen sollen analysiert, Hintergründe untersucht und lösungsorientierte Handlungsoptionen entwickelt werden.