Welche Mächte werden die Weltordnung des 21. Jahrhunderts prägen? Die USA, China und die Europäische Union: Dies ist die Antwort von Parag Khanna, der am 20. Mai 2008 sein kürzlich auf deutsch erschienenes Buch „Der Kampf um die Zweite Welt“ exklusiv in der DGAP vorstellte. Die Veranstaltung wurde moderiert von John Hulsman, Alfred von Oppenheim-Scholar der DGAP.
Die „Zweite Welt“ vereint Länder, in denen der Wohlstand der „Ersten Welt“ mit der Armut der „Dritten Welt“ aufeinander prallt. Khanna, amerikanischer Politologe und Publizist, hat über 50 dieser Länder studiert und bereist und kommt zu der Schlussfolgerung: Die drei Imperien – USA, China und die EU – konkurrieren zunehmend um die strategische und ökonomische Orientierung dieser Staaten.
Dabei sei Europa schon jetzt ein global agierender Player und habe mehr Einfluss in der Welt, als dies gemeinhin von den Europäern wahrgenommen werde. Während die USA auf „Koalitionen der Willigen“ zur Durchsetzung der eigenen Interessen setzten und China durch „Konsultationen“ um die Gunst der Zweiten Welt werbe, bewege sich die EU langsam aber stetig „im Konsens“ vorwärts und wirke auch durch den Export seiner Normen und Regeln. Um in dieser Konkurrenzsituation besser bestehen zu können, riet Khanna den Vereinigten Staaten, sich vermehrt um diplomatische Initiativen zu bemühen und die unilateral und militaristisch geprägte US-Außenpolitik der letzten Jahre hinter sich zu lassen.
Welche Rolle spielen internationale Organisationen in Khannas Weltordnungsentwurf? Um diese Frage ging es vor allem in der Diskussion mit den Gästen der Veranstaltung. Lediglich der der WTO bescheinigte Khanna substanzielle Wirkmöglichkeiten auf dem „geopolitischen Marktplatz“ der Zukunft. Reformunfähigkeit und die machtstrukturellen Ungleichgewichte insbesondere innerhalb des VN-Systems würden vermehrt durch regionale Bündnisse ersetzt werden.