Worin liegen die Ursachen des Stimmenzuwachses rechtsextremer ungarischer Parteien bei der Europawahl 2009 und was kann die Regierung tun, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten? Spiegelt sich in dem Wahlverhalten der Ungarn eine europakritische Haltung wieder? Und warum traf Ungarn die Finanzkrise besonders hart? Über diese Fragen diskutierten am 17. Dezember 2009 in der DGAP der Botschafter von Ungarn S.E. Dr. Sándor Peisch, Dr. Gereon Schuch, Programmleiter des Zentrums für Mittel- und Osteuropa der Robert Bosch Stiftung der DGAP und János Can Togay, Leiter des ungarischen Kulturinstituts Collegium Hungaricum. Die Botschaftermatinée ist eine Kooperation des Inforadio Berlin-Brandenburg mit der DGAP, die einmal monatlich stattfindet.
Botschafter Peisch erklärte, dass es während der Wirtschatftskrise einfacher für rechtsextreme Parteien gewesen sei, durch Populismus Stimmen zu gewinnen. „Natürlich bangt man um die Zukunft des Landes“, sagte Peisch. Die Regierung müsse den Menschen Perspektiven geben, nur so könne man den rechtsextremen Trend in Ungarn stoppen.
Für DGAP-Experte Gereon Schuch ist das europakritische Wahlverhalten der Ungarn nur eine Momentaufnahme: „Ich bin optimistisch, dass die eigentlich pro-europäische Haltung der Ungarn erhalten bleibt.“ János Can Togay ergänzte, dass Konflikte durch die Mitgliedschaft in der EU leichter beigelegt werden könnten. Die Kontroverse zwischen Ungarn und der Slowakei im August 2009 habe sich auf europäischer Bühne leichter beschwichtigen lassen, sagte Togay.
Die schwierige ökonomische Situation liegt nach Meinung von Botschafter Peisch nicht nur an der Misswirtschaft des Staates, sondern auch an der Lebensweise der Ungarn. Es sei nur menschlich, dass die Menschen Ungarns nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besser leben wollten und sich dafür verschuldet hätten, sagte Peisch. Togay ergänzte: „Die ungarische Gesellschaft ist eine zutiefst korrumpierte Gesellschaft.“ Die Finanzkrise verdeutliche, dass viele Probleme innerhalb der Gesellschaft über Jahrzehnte nicht geregelt worden seien. Den Ungarn fehle sowohl das Vertrauen in die Politik, als auch in die Wirtschaft und dies führe auch unter den Menschen zu Betrug.
Seit Januar 2007 zeichnet Inforadio Berlin-Brandenburg in den Räumen der DGAP die Sendung „Weltsichten. Inforadio ganz international – Die Botschaftermatinee“ auf. Alle vier Wochen begrüßt Gastgeberin Sabine Porn den deutschsprachigen Botschafter eines Landes sowie zwei weitere Gäste und führt Gespräche über Land und Leute, Politik, Kultur und Geschichte. Sendetermin ist Sonntag, der 20. Dezember 2009, um 11.05 Uhr. Das Gespräch kann auch auf www.inforadio.de angehört und heruntergeladen werden. Die nächste Veranstaltung findet am 12.01.2010 statt, Thema ist Kroatien.
Für weitere Infos bei der DGAP zum Thema Ungarn: Kontakt: Gereon Schuch, schuch@dgap.org.
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