Professor Justin Lin, designierter Chef-Ökonom und Vizepräsident der Weltbank und Gründungsdirektor des China Center for Economic Research (CCER) an der Universität Peking hat in seinem Vortrag vom 20. Februar die mögliche wirtschaftliche Entwicklung Chinas von 2008 bis 2018 skizziert. Der Vortrag wurde von der DGAP zusammen mit der Deutschen BP AG veranstaltet.
Professor Lin sieht in China heute ein Land voller Entwicklungschancen, das aber auch einige Herausforderungen zu überwinden hat um sein hohes Wachstum beizubehalten. Der Hauptmotor des Wachstums sind für ihn die guten Investitionsbedingungen in China und dort vor allem die sich rasant entwickelnde Infrastruktur, die durch die olympischen Spiele 2008 noch einen weiteren Schub erfahren wird. Aber auch Investitionen in die Qualitätsverbesserung der Produktion und die stetige Urbanisierung und der damit wachsende Konsum sorgen dafür, dass China noch lange ein attraktives Land für Direktinvestitionen sein wird.
Doch China sei, so Professor Lin, keine »perfekte Wirtschaft«: Im Transformationsprozess von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft stellen sich viele Ungewissheiten und Hindernisse, die es zu meistern gelte. Der unterentwickelte Finanzmarkt blockiert die Entwicklung von mittelgroßen regionalen Banken und somit den Mittelstand, der unsichere Aktienmarkt bietet Anlegern keinen sicheren Ereignishorizont und das zentralisierte Steuersystem verhindert eine flexible Verteilung der Finanzmittel auf die Provinzen und Kommunen. Hinzu kommen Umweltprobleme und die wachsende Kluft zwischen Land- und Stadtbevölkerung.
30 Jahre lang 10% Wachstum
Doch wenn China diese Probleme durch entsprechende Reformen bekämpfen kann und es zu einer »Entwicklung vom Volk, für das Volk und durch das Volk« kommt sagt Justin Lin für die nächsten zehn, zwanzig, ja sogar dreißig Jahre ein jährliches Wachstum von um die 10% voraus. Das ist unter anderem auch dadurch möglich, dass die chinesische Bevölkerung hoch motiviert ist, jede Chance auf Wohlstand zu nutzen die sich ihnen bietet. Ein weiterer Faktor ist der Nutzen, den China aus der Technologie-Lücke zu hoch entwickelten Ländern zieht: Durch Übernahme importierter Technologien kann die chinesische Wirtschaft schnell ihren Rückstand aufholen. Zudem prophezeite Lin, dass der Wechselkurs des Yuan gegenüber dem Dollar langsam und schrittweise, aber stetig den Yuan stärker werden lassen wird.
In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Henning Krumrey, dem Leiter der Parlamentsredaktion des Focus, stellte sich Professor Lin den kritischen Nachfragen und Kommentaren von Dr. Christof Rühl, dem Chefökonom der BP, Prof. Dr. Eberhard Sandschneider, Otto Wolff-Direktor der DGAP und Professor Wolfram Schrettl, Leiter des Arbeitsbereiches Wirtschaft am Osteuropa-Institut der FU Berlin. Ein Hauptthema der Diskussion war die Frage nach dem wachsenden Energiebedarf Chinas, der als möglicher Hemmschuh für die optimistischen Prognosen von Professor Lin gesehen wurde.
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