Am 23. Oktober 2006 war Joseph F. Pilat für ein Hintergrundgesprächs zu
Gast in der DGAP. Er sprach vor Experten aus Politik und Wirtschaft zu
den Erfolgsaussichten der „Global Nuclear Energy Partnership“ (GNEP)
der Bush-Administration. Pilat arbeitet am Los Alamos National
Laboratory zu Fragen der Nichtverbreitung und internationalen
Sicherheit und hat als Berater und Regierungsvertreter an zahlreichen
internationalen Verhandlungen teilgenommen.
Joe Pilat erläuterte die Grundzüge der GNEP. Das Programm, angestoßen im Januar 2006 und, laut Pilat, zurzeit eher eine Vision als ein operativer Plan, soll eine internationale Kooperation in der Nuklearenergie schaffen und vor allem ein multinationales Verfahren einrichten, um die sensitiven Technologien der Wiederaufbereitung und Urananreicherung bereitzustellen. Mit dem GNEP soll die Kernenergie gefördert werden, gleichzeitig strebt die US-Regierung aber auch Ziele bei der Energiesicherheit, in der Nichtverbreitungspolitik und dem Klimaschutz an.
Das GNEP propagiert die zivile Kernenergie. Der Ausstoß an nuklearen Abfällen soll aber durch das „Verbrennen“ plutoniumhaltiger nuklearer Abfälle in Kernreaktoren verringert werden. Gleichzeitig sollen neue Reaktoren und Wiederaufbereitungstechnologien proliferationsresistent gemacht werden. Ein weiterer Eckpunkt ist der Ausbau der nuklearen Sicherungsmaßnahmen gegen die illegale Abzweigung von Spaltmaterial und die Investition in die entsprechende Forschung und Technologie. Pilat erwähnte als denkbare Maßnahmen die Einbeziehung nuklearer Sicherungstechnologie bereits bei der Konzeption von Wiederaufbereitungs- und Reaktoranlagen, verbesserte Brennerreaktoren, multilaterale Lagerung und Transport der Brennstoffe sowie verbessertes Monitoring. Das GNP, so Pilat, benötigt aber internationale Partner, vor allem die großen Kernenergienationen Großbritannien, Frankreich, Russland, China und Japan. Daneben seien etwa hundert Staaten kontaktiert worden, darunter auch Deutschland.
Das GNEP ist ein langfristig angelegtes Vorhaben, der Aufbau der technologischen Infrastruktur könne 15 bis 25 Jahre dauern, die vollständige Umsetzung 25 bis 40 Jahre. Damit sei das Programm nicht als Instrument zur Lösung aktueller Nuklearkrisen wie im Iran oder Nordkorea zu verstehen. Das jüngst erzielte Abkommen zwischen Indien und den USA über Kooperation in der Nukleartechnologie folge zwar einer ähnlichen Logik wie das GNEP, sei ihm aber losgelöst zu betrachten.
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