Seit dem teilweisen Aussetzen der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei im Dezember letzten Jahres ist es ruhig geworden um die Frage nach den Grenzen Europas, seiner Integrationsfähigkeit und Alternativmodellen wie z.B. der auch von Bundeskanzlerin Merkel favorisierten »privilegierten Partnerschaft« mit der Türkei. Am Freitag, den 9. Februar 2007 veranstaltete die DGAP gemeinsam mit der »Turkish Economic and Social Studies Foundation« (TESEV) eine internationale Konferenz zum Thema »The German EU Presidency and the Prospect for Turkey-EU Relations«. Namhafte Gäste wie Claudia Roth und Cem Özdemir diskutierten vor einem internationalen Expertenpublikum.
Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, betonte in ihrer Rede die besondere Rolle Deutschlands und sprach sich für eine klare Unterstützung des türkischen Beitritts durch die Bundesregierung aus. Sie sprach offen über den jüngsten Mord an Hrant Dink, forderte die überfällige Abschaffung des Paragraphen 301 und rief dazu auf, Tabus zu brechen und auch Fragen wie die Rolle des Militärs, Verletzungen von Menschen- und Minderheitenrechte sowie den mangelnden Fortschritte im Demokratisierungsprozess offen anzusprechen.
Cem Özdemir empfahl der Türkei, sich konstruktiv in die Debatte um die Zukunft der Europäischen Union einzubringen. In der Podiumsdiskussion wurden strategische Interessen Deutschlands, Europas und der Türkei verglichen, die Debatte über Alternativen zu einer Vollmitgliedschaft der Türkei erörtert sowie über die anstehenden Wahlen spekuliert. Dem Zypern-Konflikt wurde ebenfalls ein hoher Stellenwert beigemessen. Von allen Seiten unterstützt wurde der Aufruf nach einer rationalen, aufgeklärten und fairen Diskussion in Politik, Gesellschaft und Medien auf beiden Seiten.
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