Am 29. und 30. Mai 2007 tagte im Hamburger KörberForum die VIII. Sitzung der AG Zukunftswerkstatt des Petersburger Dialogs. Rund 30 junge Referenten, Wissenschaftler und Journalisten aus Deutschland und Russland blickten dabei auf die Entwicklungsperspektiven der deutsch-russischen Beziehungen im kommenden Jahrzehnt.
Die Zukunftswerkstatt des Petersburger Dialogs wird vom Programm Russland/Eurasien der DGAP gemeinsam mit der russischen Nachrichtenagentur Rosbalt organisiert und von der Körber-Stiftung unterstützt.
Mit den Jahrestagen der Oktoberrevolution und der Ausrufung der Weimarer Republik beschließen Russland und Deutschland 2017/2018 das erste postmonarchische Jahrhundert ihrer durchaus bewegten jüngeren Geschichte. Die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt diskutierten auf ihrer Sitzung die Ergebnisse und Probleme des EU-Russland-Gipfels von Samara sowie das gegenwärtige Klima im deutsch/europäisch-russischen Verhältnis.
Dmitri Suslow vom Moskauer Rat für Außen- und Sicherheitspolitik und Thomas Hövelmann, DGAP-Programmassistent Russland/Eurasien, trugen zunächst eher pessimistische Szenarien vor: Während die deutsche Perspektive die gegenwärtige Abkühlung der Beziehungen, Tendenzen einer öffentlichen Entfremdung und die mithin erschwerten Entwicklungschancen der strategischen Partnerschaft in den kommenden Jahren betonte, blickte das russische Gegenüber auf die großen Herausforderungen der Welt um Russland und Deutschland im Jahr 2018. Da die EU weiter in Identitätskrise und Uneinigkeit verharre, befinde sich Russland inzwischen auf einem zukunftsgerichteten Weg. Bisweilen offenbarten sich unversöhnliche Standpunkte und Ansichten, welche die Teilnehmer auch während einer Barkassenfahrt durch Speicherstadt und Hafengebiet weiter beschäftigten.
Mit Blick auf die Ergebnisse von Samara leiteten Beate Satory, Referentin im Deutschen Bundestag, und Gleb Budarin, Referent im Föderationsrat Russlands, in den letztlich versöhnlicheren zweiten Tagungstag über. Die Probleme um polnisches Fleisch, baltische Pipelines oder den richtigen Umgang mit Demonstranten versuchten die Referenten gar nicht erst zu lösen. Vielmehr gelang es Ihnen, die weitaus konstruktivere Vogelperspektive einzunehmen. Immer wieder gelangten die Diskutanten zu der Erkenntnis, dass andauernde Kommunikationsprobleme, vor allem im Hinblick auf eine unterschiedliche Wahrnehmung der gemeinsamen Herausforderungen, die Beziehungen belasteten. Auch das unterschiedliche Souveränitätsverständnis sowie fehlende Definitionen gemeinsamer Werte sorgten für einen lebendigen, stets offenen und praktisch orientierten Austausch.
Abschließend wurde die Erarbeitung eines neuen Strategiepapiers für den nächsten Petersburger Dialog (im Oktober 2007 in Wiesbaden) beschlossen, bevor die Teilnehmer noch in der Hamburgischen Bürgerschaft von der Ersten Vizepräsidentin Barbara Duden (SPD) und dem Bildungspolitiker Marino Freistedt (CDU) empfangen wurden.
Zukunftsweisend ist: Foren wie die AG Zukunftswerkstatt vermögen Tendenzen der Entfremdung entgegenzutreten und werden auch künftig den gewinnbringenden Dialog der jungen Eliten beider – europäischer – Länder weiter fördern.
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