Afrika – quo vadis?

Montag 07. April 18:00 - 20:00
Ort: DGAP, Berlin

Reich an Bodenschätzen und doch Schlusslicht der Weltwirtschaft – bei seinem Vortrag am 7. April 2008 in der DGAP zeichnet Prinz Asfa-Wossen Asserate ein zwiespältiges Bild des heutigen Afrika. Zwischenstaatliche Kriege, Naturkatastrophen und Pandemien hemmen die Entwicklung der afrikanischen Staaten. Häufig stehen einer nachhaltigen Nutzung der Ressourcen zudem Korruption im Staatswesen und das Streben der politischen Eliten nach Machterhalt und persönlicher Bereicherung im Wege. Dabei scheint der Einfluss der westlichen Industriestaaten auf die politische Entwicklung Afrika gering zu sein. Zwar ist die Spendenbereitschaft der Bevölkerungen der Industrieländer nach wie vor groß, doch bleibt der Einfluss der afrikanischen Staaten in der internationalen Politik marginal.

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Seit einiger Zeit tritt China als neuer Wirtschaftsakteur in Afrika auf und hat sich inzwischen zum größten Investor auf dem afrikanischen Markt entwickelt. Die Ressourcen des afrikanischen Kontinents scheinen geeignet, Chinas enormen Rohstoffbedarf zu decken – Menschenrechtsfragen und die Etablierung von Sozialstandards für Beschäftigte treten dabei in den Hintergrund. Aus Anlass einer Afrikareise im Oktober 2007 rief Bundeskanzlerin Merkel daher ihre westlichen Partner dazu auf, das Engagement in Afrika nicht allein den Chinesen zu überlassen. Dabei betonte sie aber zugleich die Eigenverantwortung der afrikanischen Staaten für ihre politische Entwicklung, die Bekämpfung der Korruption und die effiziente Verwendung von internationalen Krediten.

Als entscheidende Voraussetzung für eine solche politische und gesellschaftliche Emanzipation der afrikanischen Staaten wertet Prinz Asfa-Wossen Asserate die Durchführung tiefgreifender Reformen im Bildungsbereich. Nur ein ausreichendes Bildungsniveau der Bevölkerung kann langfristig zu nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung und zur Entstehung einer kritischen politischen Öffentlichkeit führen. So erst kann ein Wandlungsprozess eingeleitet werden, in dessen Rahmen die häufig korrupten und auf Machterhalt und materiellen Vorteil bedachten politischen Eliten, die viele afrikanische Staaten seit ihrer Unabhängigkeit in den sechziger Jahren regieren, abgelöst werden können. Nur durch langfristiges Engagement, das über den Bereich der Entwicklungshilfe hinausgeht, können die westlichen Staaten dabei ihren Einfluss auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung der afrikanischen Staaten sicherstellen und sich gegenüber der Einflussnahme Chinas behaupten.

Durch effiziente Nutzung der vorhandenen Potenziale, eine Erneuerung der politischen Eliten sowie eine gleichberechtigte Kooperation mit dem Westen, der seine Afrikapolitik aus dem Kontext der reinen Entwicklungszusammenarbeit löst, kann es Afrika nach Meinung von Prinz Asfa-Wossen Asserate gelingen, seine marginalisierte Rolle in der internationalen Politik zu überwinden.