Ischinger fordert Führungsrolle der EU im Kosovo

Montag 17. Dezember 16:00 - 18:00
Ort: DGAP, Berlin

Eine entscheidende Phase für die Zukunft des Kosovos und der Stabilität des Balkans nach dem Scheitern der Troika-Verhandlung ist angebrochen. Bis zum 10. Dezember 2007 verhandelten Kosovo-Albaner und Serben unter Führung einer Troika, der neben der EU auch die Vereinigten Staaten und Russland angehören, über eine mögliche Annäherung in der Unabhängigkeitsfrage des Kosovos. Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) berichtete Botschafter Wolfgang Ischinger, der Verhandlungsführer der EU in den Troika-Verhandlungen, über die 120 Tage dauernde Mission und über die Folgen und mögliche Entwicklung der Region. Mehr als 160 Gäste, darunter zahlreiche Vertreter der nationalen und internationalen Medien, waren gekommen, um sich von Ischinger über die aktuelle Lage informieren zu lassen.

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Es sei, so Ischinger, in den vergangenen 120 Tagen alles versucht worden, um eine einvernehmliche Lösung unter den Parteien zu finden. Nun sei für die Staaten der Europäischen Union, nach dem Scheitern des Vorschlags des UN-Sondergesandten Martti Ahtisaari im Sommer 2007 und den anschließenden Troika-Verhandlungen, der Zeitpunkt gekommen, eine Führungsrolle zu übernehmen und aktiv zu werden. Die erwartende einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovos stehe Anfang 2008 bevor. Die Sicherstellung und Koordinierung dieses Unabhängigkeitsprozesses müsse von der EU aktiv begleitet werden. Der Europäische Rat hatte bereits am 14. Dezember 2007 eine Polizei-Mission in den Kosovo genehmigt. Der Botschafter betonte, dass die EU-Mitgliedsstaaten nun einvernehmlich die Verantwortung für den Kosovo übernehmen müssen. Es gebe hierzu keine andere Alternative, so Ischinger, oder wie sollte die EU begründen, dass der Kosovo nach acht Jahren UN-Mission an Serbien zurückgegeben werde?

Nach Einschätzung Ischingers sei ein »Dominoeffekt« für andere Regionen unwahrscheinlich, da die spezielle Ausgangslage des Kosovos ein Einzelfall darstelle. Auch die Gefahr eines erneuten Balkankrieges sieht Ischinger nicht gegeben. So wurde der Gewaltverzicht aller Seiten wiederholt bekräftigt.

Ischinger wies aber darauf hin, dass es zu schmerzhaften Entscheidungen kommen werde, die besonders Serbien bevorstünden. Der Botschafter bekräftigte, dass jedoch niemand eine Marginalisierung Serbiens wolle. Um auf die Serben zuzugehen, will die Europäischen Union Signale senden für einen möglichen Beitritt zur Gemeinschaft in der Zukunft.