Sechs Monate lang war Belgien ohne Regierung. Schließlich forderte König Albert II. den amtierenden Premierminister Guy Verhofstadt am 17. Dezember 2007 auf, eine Übergangsregierung zu bilden. Jedoch besteht die Krise Belgiens fort und gefährdet somit die Einheit des Landes. Doch warum können sich die Flamen und Wallonen nicht verständigen und sich auf eine neue gemeinsame Regierung einigen? Sabine Porn diskutierte mit dem Botschafter des Königsreichs Belgien S.E. Mark J. L. Geleyn, Matthias Chardon, Belgienexperte vom Centrum für Angewandte Politikforschung in München und Dr. Bernd Müller, Referatsleiter Internationale Beziehungen der Landesvertretung Nordrhein- Westfalens in den Räumen der DGAP.
Die Zerrissenheit der Volksgruppen – Flamen und Wallonen – ist historisch gewachsen, doch nun hat sich die Lage soweit zugespitzt, dass die Teilung zwischen dem reicheren, niederländisch sprechenden Flandern im Norden und dem französisch sprechenden, wirtschaftlich schwächeren Wallonien im Süden von den belgischen Medien diskutiert wird. Gründe für die bestehenden Differenzen gibt es viele: Keine gemeinsame Sprache, keinen nationalen Fernsehsender, keine gesamtbelgische Partei, um einen gemeinsamen Meinungsbildungsprozess voranzubringen. Botschafter Geleyn erklärte, dass daher belgische Politiker selten »gesamtbelgisch« denken.
Trotz dieser tief greifenden kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, werde die heutige Lage oft überspitzt dargestellt, sagte der Botschafter. In der derzeitigen Situation gehe es um die Forderung der Flamen nach Staatsreformen und um mehr regionale Mitbestimmung in den Bereichen Sozialpolitik, Beschäftigung und Justiz, aber eine Teilung sei nicht angestrebt. So erwartet der Botschafter, dass trotz der Krise, die Vertreter aller Parteien eine Lösung finden werden.
Chardon unterstrich zudem die große Bedeutung des Königs, der als wichtiger Vermittler zwischen den Volksgruppen auftritt. Müller wies darauf hin, dass die Menschen in Belgien die Situation sehr viel gelassener sehen, als man von außen vermuten würde. Alle Podiumsgäste waren sich einig, dass es am Ende doch gelingen wird, den berühmten belgischen Kompromiss zu finden.
Weitere Informationen zur Botschaftermatinée finden Sie unter www.inforadio.de
Die Sendung wird am Sonntag, 13. Januar 2008 um 11:22 Uhr auf Inforadio 93,1 gesendet.
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