Veranstaltung der Körber-Zentrum Russland/GUS, 31.
Januar 2006
Fast die gesamte Regierung des Gebietes von Kaliningrad und einige Dutzend regionaler Unternehmer kamen am 31. Januar nach Berlin, um am Businessforum der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik anlässlich der Eröffnung der Fluglinie Kaliningrad – Berlin teilzunehmen. Die KD-Avia hat damit die alte direkte Flugverbindung, die es in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schon einmal gegeben hatte, wieder hergestellt. Reisende von Berlin nach Kaliningrad müssen in Zukunft nicht mehr 11 Stunden Reisezeit mit langen Warteschlangen an den Grenzen einrechnen, sondern können die Strecke in einer Stunde zurücklegen. Die Festveranstaltung der DGAP wurde mit einem Empfang im Berliner Rathaus, an dem der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, sowie der Gouverneur und der Bürgermeister von Kaliningrad, Georgij Boos und Jurij Savenko, teilnahmen, eröffnet.
Beim anschließenden Businessforum im Hotel Ritz Carlton sprachen der Sonderbevollmächtigte des russischen Präsidenten für die EU, Sergej Jastrschembskij, sowie der Gouverneur von Kaliningrad, Boos, über die neue Öffnung des Gebietes Kaliningrad zur EU. Am 1. April diesen Jahres wird Kaliningrad offiziell zu einer Sonderwirtschaftszone. Ausländische Produzenten erhalten auf einige Jahre hinaus große Steuervergünstigungen, wenn sie jetzt in die Region investieren. Gouverneur Boos möchte seine Region – die er als Westrussland bezeichnete – aus der bisherigen Lage als russischer Enklave in der EU herausführen und zu einer Industrie- und Handelsmetropole an der Ostsee machen. Er sagte der Bauindustrie in Kaliningrad eine glorreiche Zukunft voraus. In den nächsten Monaten sollen riesige Landflächen, die sich sowohl für Bauland als auch für landwirtschaftliche Nutzung eignen, privatisieret werden. Auch der Tourismus soll gefördert werden. Alte deutsche Ritterburgen in der Region werden zu Touristenzentren und Hotels ausgebaut.
Mehrere führende Unternehmer aus Kaliningrad, wie der Direktor des zivilen Hafens, stellten im Rahmen des hervorragend besuchten Businessforums ihre Projekte vor und appellierten an potenzielle Investoren. Deutsche Firmenvertreter von ThyssenKrupp oder Rheinmetall trugen ihre Projekte in Kaliningrad vor. Die Firmenvereinigung „Klub der Freunde Kaliningrads“ stellte ihr einzigartiges Projekt des Baus eines modernen Hüttenkombinats in der Region vor. Im Grunde genommen diente das Businessforum der Zusammenführung von Mittelstandsfirmen auf deutscher und Kaliningrader Seite. Man kam überein, die Veranstaltung demnächst in Kaliningrad zu wiederholen.
Die DGAP möchte auch weiterhin mit den interessierten Mittelstandsfirmen das Thema Kaliningrad angehen. Der Arbeitskreis Kaliningrad in der DGAP könnte eine wichtige Koordinierungsfunktion übernehmen. Die russische Ostseeregion bietet einzigartige Möglichkeiten für Investitionen und wird mehr und mehr eine Brückenfunktion zwischen EU und dem russischen Festland übernehmen. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sollen intensiviert werden. Berlin wird zur Drehscheibe der Beziehungen zwischen Kaliningrad und anderen europäischen Ländern.
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