Geschichte des Hauses Rauchstraße 17/18

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Das in den Jahren 1938/39 von dem Architekten des Olympiastadions, Werner March, als Gesandtschaft des Königreichs Jugoslawien errichtete Gebäude befindet sich im Berliner Bezirk Tiergarten, unweit des Regierungsviertels und in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Vielzahl diplomatischer Vertretungen. Heute steht es unter Denkmalschutz.

Das Grundstück liegt am Ende der Rauchstraße, in der nur zwei Gebäude – darunter die Jugoslawische Gesandtschaft – den Krieg im Wesentlichen unbeschädigt überstanden haben. Heute finden sich dort eine Reihe architektonisch wertvoller Häuser, die Anfang der 80er Jahre aus Anlass der Internationalen Bauausstellung von namhaften Architekten (Krier, Bangert, Rossi u.a.) gebaut wurden.

Weinender Engel March konzipierte eine rechtwinklige Bebauung mit einem dreigeschossigen Kanzleiflügel in der Rauchstraße und einem zweigeschossigen Residenzflügel mit Repräsentationsräumen in der Drakestraße. Der ehemalige Kanzleiflügel beherbergt heute die Verwaltung der DGAP und die Redaktion der Zeitschrift IP. Das Forschungsinstitut ist im ehemaligen Residenzflügel untergebracht. Die beiden L-förmig angeordneten Flügel schließen eine großzügige Gartenanlage und Terrasse ein. Arno Breker entwarf den bis heute erhaltenen Frauenkopf am Residenzflügel. Die künstlerische Gestaltung spiegelt den vorherrschenden Stil im Berlin des Dritten Reiches wider.

Betritt man das Gebäude durch den Haupteingang, so gelangt man zunächst in das mit Marmor ausgekleidete Treppenfoyer. Ursprünglich wurde es über eine von August Wagner und Charles Crodel gestaltete Glasdecke mit Tageslicht beleuchtet. Der Schliffspiegel ist zwar erhalten geblieben, wird heute aber nicht mehr mit Tageslicht beleuchtet. Über den sich anschließenden „Alfred Herrhausen Saal“ erreicht man das holzgetäfelte ehemalige Gesandtenzimmer, das heutige „Otto Wolff Zimmer“, in dem der Lesesaal der Bibliothek untergebracht ist. Gegenüber befinden sich der „Hans von Dohnanyi Saal“ und der „DaimlerChrysler Saal“. Im Erdgeschoss liegen außerdem noch der mit einem Marmorkamin ausgestattete „Kurt Birrenbach Saal“, der große „Robert Bosch Saal“, der hauptsächlich für Konferenzen und Vortragsveranstaltungen genutzt wird sowie das ehemalige Musikzimmer, der heutige „Baron Alfred von Oppenheim Saal“, an den sich der Wintergarten anschließt. Für die damalige Zeit einmalig wurden hier im Boden versenkbare Fenster eingebaut, die es bis heute erlauben, den Raum vollständig zum Garten hin zu öffnen. Im ersten Stock des Residenzflügels befindet sich das „Gerd Bucerius Foyer“, das heute als Ausstellungsfläche genutzt wird.

Chronik

Der Entwurf von Albert Speer für die „Hauptstadt Germania“ sah die Umsiedlung einer Reihe von ausländischen Vertretungen aus dem Regierungsviertel vor. 1937 wurde der südliche Tiergarten zum Diplomatenviertel erklärt und mit dem Bau von 12 Botschaftsgebäuden begonnen. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden die Grundstücke Rauchstraße 17 und 18 sowie Drakestraße 4 zusammengelegt, um hier in den Jahren 1938/39 die „Königlich Jugoslawische Gesandtschaft“ zu errichten.

Das Grundstück Rauchstraße 17 befand sich bis 1938 im Besitz der Familie Mendelssohn-Bartholdy, die es kurz bevor sie aus Deutschland emigrierte für 170.000 Reichsmark an das Deutsche Reich verkaufen musste. Das Grundstück Rauchstraße 18 ging auf Grund eines Enteignungsbeschlusses von 1940 in den Besitz des Deutschen Reiches über.

Bis zur Besetzung Jugoslawiens im Jahre 1941 residierte der spätere Literaturnobelpreisträger Ivo Andric als Gesandter in dem neuen Gebäude. Danach übernahmen Reichs- und Parteistellen das Haus. Zunächst diente es als Amtssitz für den Minister der besetzten Ostgebiete, Alfred Rosenberg, 1942 wurde es zum zweiten Gästehaus des Deutschen Reiches umgebaut.

Nach der Kapitulation 1945 wurde das Gebäude an die Volksrepublik Jugoslawien zurückgegeben. Bis 1953 residierte hier die jugoslawische Militärmission, bevor sie nach Grunewald umzog.

Von 1953 an beherbergte das Gebäude das von der „Allierten Kommandantura Berlin“ eingesetzte „Oberste Rückerstattungsgericht“. Dieses Gericht sollte sich mit der Rückerstattung von Vermögensgegenständen, die in den Jahren 1933 bis 1945 rassisch, religiös oder politisch Verfolgten in Berlin gestohlen worden waren, befassen. Später wurde seine Kompetenz auf alle Rückerstattungsansprüche, die gegen das Deutsche Reich wegen der Entziehung von Vermögensgegenständen im Ausland geltend gemacht wurden, ausgedehnt. Am 28. Oktober 1953 wurde das Gericht in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Walter Schreiber und der drei Stadtkommandanten eröffnet.

Am 29. Juni 1964 entschied das Gericht, den Erstattungsansprüchen der Familie Mendelssohn-Bartholdy stattzugeben und verurteilte die Volksrepublik Jugoslawien zur Einräumung eines Miteigentumsanteils.

1975 kaufte das Land Berlin das Grundstück für 2.500.000 DM von der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und gliederte es in das Vermögen des Senators für Justiz ein. Im Sommer 1988 waren noch drei Wiedergutmachungsverfahren beim Obersten Rückerstattungsgericht anhängig, bevor es schließlich seine Arbeit einstellte.

1995 schloss die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik einen Kaufvertrag über dieses Grundstück mit dem Land Berlin ab. Noch im selben Jahr nahm sie ihre Tätigkeit in der Rauchstraße 17/18 als Außenstelle auf. Der endgültige Umzug erfolgte 1999.